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Die Geige

Die Violine oder Geige – man kann beides sagen – ist ein aus verschiedenen Holzarten hergestelltes Saiteninstrument. Ihre vier Saiten werden mit einem Bogen gestrichen. In der langen Geschichte der klassischen Musik aus Europa spielt die Violine eine wichtige Rolle. Ganz viele Komponisten haben ihr einen wichtigen Teil ihrer Arbeit gewidmet und z.B. Sonaten oder Konzerte für Violine geschrieben. Mehr zum Thema „Geige“ findet Ihr in diesem Video...

In der Werkstatt von Herrn Janos Ecseghy haben wir einen Film über den Bau der Streichinstrumente gedreht. Hier geht es zum Video... 

Wer die Geige erfunden hat weiß man bis heute nicht. Nur, dass es sie seit circa 500 Jahren gibt und sie sich seitdem kaum verändert hat. Doch man weiß, dass die erste urkundliche Erwähnung der Violine um 1523 erfolgte, als in Turin am Hofe des Herzogs von Savoyen "les trompettes et vyollons de Verceil" (Trompeten und Violinen aus Vercelli) ein Honorar erhielten. Die älteste Abbildung einer Violine ist eine Violine spielende Putte – also ein kleiner pausbäckiger Engel – auf dem Altarbild in der Kirche S. Cristoforo in Vercelli (Italien). Darauf kann man auch sehen, dass die ganz frühen Geigen nur drei Saiten hatten.

Die Form der Violine, wie wir sie heute kennen, stammt aus Oberitalien und ist seit etwa 1540 beinahe unverändert! Aus Italien kommen auch viele der berühmtesten Geigenbauer, z.B. die Familie Amati. Andrea Amati (1505-1577) war der erste Geigenbauer in einer ganzen Dynastie. Zwei seiner Söhne (Antonius und Hieroniymus Amati) stiegen in seine Fußstapfen, doch sein Enkel Nicola Amati (1596-1684) sollte das berühmteste Mitglied der Geigenbaufamilie werden. Weitere bekannte Geigenbauer waren Gasparo da Salò, Guarnerius del Gesu und besonders Antonio Stradivari. Stradivari ist heute sicher der bekannteste Geigenbauer aller Zeiten!

Aber auch nördlich der Alpen gab es natürlich große Geigenbaumeister. Die Stücke von Jakobus Stainer aus Absam galten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts als die Besten überhaupt! Insbesondere Stradivari wurde im Laufe der Zeit zum großen Vorbild für Aussehen und Bauprinzipien fast aller Violinen. Ganz viele Nachahmer versuchten, Geigen nach den gleichen Maßen und mit den gleichen Techniken wie Stradivari zu bauen, doch hieß das noch lange nicht, dass dabei genauso gute Instrumente raus kamen. Man muss nämlich beim Geigenbau auf so Vieles achten: alle einzelnen Anteile beim Bau müssen zusammenspielen und jede Technik hat ihre eigenen Tricks– und jeder Geigenbauer seine Geheimnisse!

Um eine Violine überhaupt bauen zu können, benötigt man natürlich Holz. Aber nicht irgendein Holz! Besonders geeignet sind Fichtenhölzer, die vor allem für die Decke der Geige verwendet werden. Für Boden, Hals, Zargen und Schnecke benutzt man vor allem Ahornhölzer. Die Hölzer, aus denen eine Geige hergestellt wird, müssen vorher viele, viele Jahre gelagert worden sein. Und die Bäume, von denen das Holz stammt, sucht man am besten im Hochgebirge, weil dort Bäume nur ganz langsam wachsen können und das Holz so besonders fein wird. Außerdem dürfen diese besonderen Bäume grundsätzlich nur im Dezember gefällt werden, da in den anderen Monaten das Holz noch viel zu viel Saft hat. Manche Geigenbauer schwören sogar darauf, nur Holz zu verwenden, dass bei Neumond geschlagen wurde... Also: man merkt schnell, dass Geigenbau eine ganz schön komplizierte Sache ist!

Die verschiedenen Farben der Geigen kommen durch die unterschiedlichen Lackierungen zustande. Dabei unterscheidet man zwischen Öllackierung einerseits und Lacken auf Spiritusbasis andererseits. Doch zu einem guten Lack gehören viele verschiedene Zutaten – wie bei einem Kochrezept. Alle Inhalte aufzählen können wir hier nicht …. Und manche sind sogar streng geheim!! Aber soviel sei verraten: Einige Öllacke brauchen bis zu fünf Jahre bis sie richtig durchgetrocknet sind!

Als Decke bezeichnet man den oberen Teil der Geige, also quasi den „Deckel“ des Geigenkorpus. „Korpus“ ist Latein und heißt „Körper“. Der Korpus, der auch „Resonanzkörper“ genannt wird, besteht aus Decke, Boden und Zargen. Wisst Ihr noch, aus welchem Holz die Decke gemacht wird? Das haben wir Euch weiter oben schon verraten! Die Decke funktioniert als schwingende Membran, ganz ähnlich wie in einem Lautsprecher. In die Decke werden die sogenannten F-Löcher geschnitten und zwar eins auf der rechten und eins auf der linken Seite der Geige. Die heißen so, weil sie wie ein kleines „f“ in Schreibschrift aussehen. Die F-Löcher sind „Schall-Löcher“, das bedeutet, dass sie dafür sorgen, dass der Ton der beim Streichen oder Zupfen der Saiten entsteht, sich überhaupt richtig ausbreiten kann. Die F-Löcher lassen den Klang also „aus der Geige raus“.

Der Steg besteht genauso wie die Decke aus Ahorn. Er ist aber nicht lackiert und hat deshalb eine viel hellere Farbe. Über ihn laufen die Saiten, deren Schwingung, die beim Streichen oder beim Zupfen entsteht, er auf den Korpus überträgt. Der Steg wird auf die Decke einfach aufgesetzt; er ist nicht festgeklebt oder festgeschraubt. Macht man also die Saiten ab, fällt der Steg auch runter!

Als Zargen bezeichnet man die Seitenteile der Geige, die Boden und Decke miteinander verbinden. Sie werden verleimt und bestehen meistens aus demselben Holz, wie der Boden.

Der Bassbalken ist wichtig, damit der Klang einer Geige gut ausbalanciert ist – vor allem bei den tiefen Tönen, der „Basslage“ der Geige. Außerdem gibt er der Decke mehr Stabilität, weil die nämlich z.B. durch den Zug der Saiten ganz schön was aushalten muss. Der Bassbalken verläuft direkt unter dem Fuß vom Steg, der unter den tieferen Saiten der Geige, der G- und der D-Saite, steht.

Stimmstock nennt man ein kleines Stäbchen aus Holz, das im Inneren der Geige zwischen Decke und Boden eingeklemmt wird. Geigenbauer verwenden besonders viel Mühe darauf, den Stimmstock an genau der richtigen Stelle einzusetzen. Denn er ist sehr, sehr wichtig für den schönen Klang der Geige. Selbst eine echte Spitzenvioline klingt nicht gut, wenn der Stimmstock auch nur ein kleines bisschen verrutscht! Und weil er so wichtig für die Geige ist und ihrem Klang erst richtig Leben verleiht, nennt man den Stimmstock auch die „Seele“ der Geige.

Der Boden der Geige – man kann auch Rücken sagen – ist meist aus Ahorn gemacht. Manche Geigenbauer benutzen aber auch andere harte Hölzer, z.B. Pappel, Weide oder Kirschbaum. Genau wie die Decke ist auch der Boden gewölbt. Ein spezieller Leim, der Knochenleim, wird zur Verleimung der einzelnen Bauteile verwendet. Er besteht aus Proteinen, die aus Tierknochen oder -Haut gewonnen werden. Seine besondere Eigenschaft besteht darin, dass er wasserlöslich ist und bei einer Temperatur von etwa 50 bis 60 Grad Celsius weich wird und so das Instrument problemlos jederzeit auseinander zu nehmen ist, ohne dass Holz oder Lack Schaden nehmen.

Die Geige besitzt insgesamt vier Saiten (g - d’ - a’ - e’’- Geh Du Alter Esel), die am unteren Ende des Korpus am Saitenhalter, und am oberen Ende des Halses auf Wirbeln im Wirbelkasten befestigt sind. In der Mitte des Korpus liegen die Saiten auf dem Steg auf, der als Brücke zwischen der schwingenden Saite und dem Resonanzkörper dient. Durch ihn werden die Schwingungen der Saiten auf den Korpus übertragen.