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Früher Taktstock jetzt Dirigentenstab

Der Zauberstab des Dirigenten
Als Allererstes möchten wir Euch in unserem Instrumentenlexikon den Taktstock vorstellen. Er ist zwar kein richtiges Instrument, aber ohne ihn wäre es dem Dirigenten manchmal gar nicht möglich, ein Sinfonieorchester zusammen spielen und klingen zu lassen! Doch was bedeutet Dirigieren überhaupt? Seit wann gibt es Taktstöcke? Aus was für Materialien besteht so ein Taktstock? Diese und viele andere Fragen wollen wir Euch hier beantworten...

Mehr zum Thema „Dirigent“ findet Ihr in diesem Video...

Herkunft und Bedeutung
Dirigieren ist das Leiten einer musikalischen Gruppe, wobei der Dirigent durch unterschiedliche Gestik, Mimik und Körperbewegung das Tempo und den Charakter des Musikstückes anzeigt. Vor 300 Jahren, also noch vor Mozarts Geburt, stampften die Orchesterleiter einfach im Takt mit den Füßen oder benutzten lange Zeremonienstäbe, mit denen sie auf den Boden schlugen. Man kann sich leicht vorstellen, dass das beim Zuhören ganz schön gestört hat! Mit einem Taktstock haut der Dirigent natürlich nirgends mehr drauf - er benutzt ihn wie eine Verlängerung der Hand, an der man das gewollte Tempo ganz exakt ablesen kann.

Der Taktstock in seiner heutigen Form kam im 19. Jahrhundert, also etwa vor 200 Jahren auf. Man brauchte eine Möglichkeit, die Entfernungen zwischen manchen Musizierenden und dem Dirigenten zu überbrücken, weil die Orchester mit der Zeit immer größer wurden. Und durch den Taktstock werden die Bewegungen des Dirigenten vergrößert und verdeutlicht - besonders kleine Bewegungen werden auch für weit hinten im Orchester sitzende Musiker gut erkennbar. Der weiße, beinahe leuchtende Taktstock ist für die Musiker ein guter Orientierungspunkt. Achtet doch in einem Konzert einfach mal darauf!

Form und Material
Die Länge eines Taktstocks liegt ungefähr zwischen 20 und 45 cm, der Durchmesser beträgt 2–4 Millimeter. Für den spitz zulaufenden Stab werden dabei ganz verschiedene Materialien verwendet: z.B. Holz, Elfenbein oder Plastik; der Griff besteht meistens aus Kork und kann verschiedene Formen haben (Walze, Birne, Kegel, ...). In manchen Fällen findet man auch Taktstöcke ohne verdickten Griff, dann ist stattdessen das Holz des unteren Endes lediglich etwas dicker geschliffen. Die „ideale“ Länge seines ganz persönlichen Taktstocks (ohne Griff) kann ein Dirigent mit einem einfachen Trick rausfinden: er ist genauso lang wie der Abstand zwischen dem Ellbogen und der Fingerspitze des Mittelfingers der Hand, mit der man dirigiert.

Es spielen natürlich auch persönliche Vorlieben und die Größe und Proportionen des Dirigenten eine Rolle. Probiert doch einfach mal, Euch selbst einen Taktstock zu basteln. Viel braucht man dazu nicht: ein passender Stock oder ein Strohhalm und ein bisschen Knete reichen schon...

Kurioses
Der französische Musiker und Komponist Jean-Baptiste Lully verletzte sich mit seinem Taktstock beim Dirigieren am Fuß. Er wollte aber nicht zum Arzt gehen und verweigerte jede medizinische Behandlung. Einige Tage später ist er an Wundbrand gestorben. Eine ziemlich schreckliche Geschichte, nicht wahr?