Ihr wollt also etwas über die Violine erfahren?
Janos Ecseghy in seiner Geigenbauwerkstatt
Das ist Janos Ecseghy.Er spielt selbst Geige und war sogar mal Stimmführer der zweiten Geigen bei der Staatsphilharmonie und kennt sich deshalb bestens aus. Heute baut er Instrumente oder repariert sie. Herr Ecseghy hat seine eigene Geigenbauwerkstatt in Mutterstadt. Dort haben wir auch einen Film über den Bau der Streichinstrumente gedreht.
Hier geht es zum Video...
Bevor wir uns die Werkstatt anschauen, ein paar Info’s vorab...
Die Violine oder Geige – man kann beides sagen – ist ein aus verschiedenen Holzarten hergestelltes Saiteninstrument. Ihre vier Saiten werden mit einem Bogen gestrichen. In der langen Geschichte der klassischen Musik aus Europa spielt die Violine eine wichtige Rolle. Ganz viele Komponisten haben ihr einen wichtigen Teil ihrer Arbeit gewidmet und z.B. Sonaten oder Konzerte für Violine geschrieben.
Geschichte der Violine
Ein Geigenbaumeister des Mittelalters begutachtet seine Arbeit
Wer die Geige erfunden hat weiß man bis heute nicht. Nur, dass es sie seit circa 500 Jahren gibt und sie sich seitdem kaum verändert hat. Doch man weiß, dass die erste urkundliche Erwähnung der Violine um 1523 erfolgte, als in Turin am Hofe des Herzogs von Savoyen "les trompettes et vyollons de Verceil" (Trompeten und Violinen aus Vercelli) ein Honorar erhielten. Die älteste Abbildung einer Violine ist eine Violine spielende Putte – also ein kleiner pausbäckiger Engel – auf dem Altarbild in der Kirche S. Cristoforo in Vercelli (Italien). Darauf kann man auch sehen, dass die ganz frühen Geigen nur drei Saiten hatten.
Die Form der Violine, wie wir sie heute kennen, stammt aus Oberitalien und ist seit etwa 1540 beinahe unverändert! Aus Italien kommen auch viele der berühmtesten Geigenbauer, z.B. die Familie Amati. Andrea Amati (1520/1535-1580/1611) war der erste Geigenbauer in einer ganzen Dynastie. Zwei seiner Söhne (Antonius und Hieroniymus Amati) stiegen in seine Fußstapfen, doch sein Enkel Nicola Amati (1596-1684) sollte das berühmteste Mitglied der Geigenbaufamilie werden. Weitere bekannte Geigenbauer waren Gasparo da Salò, Guarnerius del Gesu und besonders Antonio Stradivari. Stradivari ist heute sicher der bekannteste Geigenbauer aller Zeiten!
Aber auch nördlich der Alpen gab es natürlich große Geigenbaumeister. Die Stücke von Jakobus Stainer aus Absam galten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts als die Besten überhaupt! Insbesondere Stradivari wurde im Laufe der Zeit zum großen Vorbild für Aussehen und Bauprinzipien fast aller Violinen. Ganz viele Nachahmer versuchten, Geigen nach den gleichen Maßen und mit den gleichen Techniken wie Stradivari zu bauen, doch hieß das noch lange nicht, dass dabei genauso gute Instrumente raus kamen. Man muss nämlich beim Geigenbau auf so Vieles achten: alle einzelnen Anteile beim Bau müssen zusammenspielen und jede Technik hat ihre eigenen Tricks– und jeder Geigenbauer seine Geheimnisse!
Material
Um eine Violine überhaupt bauen zu können, benötigt man natürlich Holz. Aber nicht irgendein Holz! Besonders geeignet sind Fichtenhölzer, die vor allem für die Decke der Geige verwendet werden. Für Boden, Hals, Zargen und Schnecke benutzt man vor allem Ahornhölzer. Die Hölzer, aus denen eine Geige hergestellt wird, müssen vorher viele, viele Jahre gelagert worden sein. Und die Bäume, von denen das Holz stammt, sucht man am besten im Hochgebirge, weil dort Bäume nur ganz langsam wachsen können und das Holz so besonders fein wird. Außerdem dürfen diese besonderen Bäume grundsätzlich nur im Dezember gefällt werden, da in den anderen Monaten das Holz noch viel zu viel Saft hat. Manche Geigenbauer schwören sogar darauf, nur Holz zu verwenden, dass bei Neumond geschlagen wurde... Also: man merkt schnell, dass Geigenbau eine ganz schön komplizierte Sache ist! Die verschiedenen Farben der Geigen kommen durch die unterschiedlichen Lackierungen zustande. Dabei unterscheidet man zwischen Öllackierung einerseits und Lacken auf Spiritusbasis andererseits. Doch zu einem guten Lack gehören viele verschiedene Zutaten – wie bei einem Kochrezept. Alle Inhalte aufzählen können wir hier nicht …. Und manche sind sogar streng geheim!! Aber soviel sei verraten: Einige Öllacke brauchen bis zu fünf Jahre bis sie richtig durchgetrocknet sind!
Aufbau der Violine
Die Violine aus verschiedenen Blickwinkeln
Hier seht Ihr eine Violine aus ganz verschiedenen Blickwinkeln. Die kleinen Abbildungen ganz links zeigen die ganze Geige (oben), die Schnecke mit den vier Wirbeln, auf die die vier Saiten aufgezogen werden (mitte) und eine Schnecke von der Seite (unten). Könnt Ihr erkennen, warum man die Schnecke eigentlich Schnecke nennt? Die großen Abbildungen zeigen eine Violine von vorne (links), von hinten (mitte) und von der Seite (rechts).
Querschnitt einer Violine
Damit Ihr Euch vorstellen könnt, wie eine Geige eigentlich von innen aussieht, haben wir hier einen Querschnitt für Euch aufgemalt. Wofür die einzelnen Teile gut sind, woraus sie gebaut werden und was sie für Besonderheiten haben, könnt Ihr in der Liste nachlesen:
Die Einlage (oder auch: Ader)
Die Ader oder auch Einlage der Violine
Wenn Ihr genau hinguckt, könnt Ihr am Rand der Geige entlang der Zarge zwei dünne Linien sehen (auf dem Boden der Geige sieht das ganz ähnlich aus). Das sind die Einlagen bzw. Adern. Auch wenn es so scheint, sind die nicht bloß aufgemalt, sondern bestehen aus Ebenholz, das der Geigenbauer in das hellere Fichtenholz „einlegt“. Meistens sieht das so aus, wie auf unserem Bild, aber manche Geigen haben auch ganz große Verzierungen mit Blumen oder Mustern. Diese Kunst ist verwandt mit den „Intarsien“, die man manchmal auf schönen alten Möbeln finden kann.
Die Decke
Als Decke bezeichnet man den oberen Teil der Geige, also quasi den „Deckel“ des Geigenkorpus. „Korpus“ ist Latein und heißt „Körper“. Der Korpus, der auch „Resonanzkörper“ genannt wird, besteht aus Decke, Boden und Zargen. Wisst Ihr noch, aus welchem Holz die Decke gemacht wird? Das haben wir Euch weiter oben schon verraten! Wie man auf der Zeichnung sehen kann, ist die Decke gewölbt. Das ist wichtig für den Klang des Instruments. Die Decke funktioniert als schwingende Membran, ganz ähnlich wie in einem Lautsprecher. In die Decke werden die sogenannten F-Löcher geschnitten und zwar eins auf der rechten und eins auf der linken Seite der Geige. Die heißen so, weil sie wie ein kleines „f“ in Schreibschrift aussehen. Die F-Löcher sind „Schall-Löcher“, das bedeutet, dass sie dafür sorgen, dass der Ton der beim Streichen oder Zupfen der Saiten entsteht, sich überhaupt richtig ausbreiten kann. Die F-Löcher lassen den Klang also „aus der Geige raus“.
Der Steg
Der Steg besteht genauso wie die Decke aus Ahorn. Er ist aber nicht lackiert und hat deshalb eine viel hellere Farbe. Über ihn laufen die Saiten, deren Schwingung, die beim Streichen oder beim Zupfen entsteht, er auf den Korpus überträgt. Der Steg wird auf die Decke einfach aufgesetzt; er ist nicht festgeklebt oder festgeschraubt. Macht man also die Saiten ab, fällt der Steg auch runter!
Die Zargen
Als Zargen bezeichnet man die Seitenteile der Geige, die Boden und Decke miteinander verbinden. Sie werden verleimt und bestehen meistens aus demselben Holz, wie der Boden.
Der Bassbalken
Der Bassbalken ist wichtig, damit der Klang einer Geige gut ausbalanciert ist – vor allem bei den tiefen Tönen, der „Basslage“ der Geige. Außerdem gibt er der Decke mehr Stabilität, weil die nämlich z.B. durch den Zug der Saiten ganz schön was aushalten muss. Der Bassbalken verläuft direkt unter dem Fuß vom Steg, der unter den tieferen Saiten der Geige, der G- und der D-Saite, steht.
Der Stimmstock
Stimmstock nennt man ein kleines Stäbchen aus Holz, das im Inneren der Geige zwischen Decke und Boden eingeklemmt wird. Geigenbauer verwenden besonders viel Mühe darauf, den Stimmstock an genau der richtigen Stelle einzusetzen. Denn er ist sehr, sehr wichtig für den schönen Klang der Geige. Selbst eine echte Spitzenvioline klingt nicht gut, wenn der Stimmstock auch nur ein kleines bisschen verrutscht! Und weil er so wichtig für die Geige ist und ihrem Klang erst richtig Leben verleiht, nennt man den Stimmstock auch die „Seele“ der Geige.
Die Reifchen
Die Reifchen im Innern des Korpus sorgen dafür, dass die Zargen richtig stabil sind. Dafür gibt es in den Zargen auch kleine Ober-, Unter- und Endklötze – die sieht man auf der Zeichnung aber leider nicht.
Der Boden
Der Boden der Geige – man kann auch Rücken sagen – ist meist aus Ahorn gemacht. Manche Geigenbauer benutzen aber auch andere harte Hölzer, z.B. Pappel, Weide oder Kirschbaum. Genau wie die Decke ist auch der Boden gewölbt. Ein spezieller Leim, der Knochenleim, wird zur Verleimung der einzelnen Bauteile verwendet. Er besteht aus Proteinen, die aus Tierknochen oder -Haut gewonnen werden. Seine besondere Eigenschaft besteht darin, dass er wasserlöslich ist und bei einer Temperatur von etwa 50 bis 60 Grad Celsius weich wird und so das Instrument problemlos jederzeit auseinander zu nehmen ist, ohne dass Holz oder Lack Schaden nehmen.
Schauen wir uns die Werkstatt von Herrn Ecseghy an
Die Werkstatt und einige Werkzeuge
Das ist der Arbeitsplatz von Herrn Ecseghy – manchmal sitzt da natürlich auch sein Kollege. Die ganzen Späne auf dem Boden stammen vom Hobeln. Wenn Ihr genau hinseht, könnt Ihr den Hobel und einige andere Werkzeuge, Lacke und Klebstoffe auf seinem Tisch entdecken. Was man so alles braucht, um eine Geige zu bauen…
Eine Wölbungsschablone
Hier siehst du eine Wölbungsschablone. Mit dieser wird die Tiefe der Wölbung nachgemessen.
Ein Ausstoßeisen
Auf dem Bild kannst du sehen wie man ein Ausstoßeisen verwendet, um den Geigendeckel zu vertiefen. Wichtig zu wissen ist dass der Geigendeckel nicht nur Innen vertieft wird sondern auch Außen. Auf dem Bild siehst du wie der Geigendeckel Innen vertieft wird.
Einige Hobel
Hier hat Herr Ecseghy eine ganze Auswahl von Hobeln für uns aufgereiht. Sie werden verwendet, um zum Beispiel die Geigendecke zu vertiefen, das sind die so genannten Wölbungshobel. Dann gibt es noch Hobel die nur für gerade Flächen verwendet werden, zum Beispiel für das Griffbrett. Die ganz kleinen Hobel werden für besonders kleine Flächen verwendet zum Beispiel der Holkehle.
So schärft man ein Messer
Doch ein Geigenbauer braucht nicht nur eine Vielzahl an Hobeln sondern auch scharfe Messer. Auf diesem Bild siehst du wie er so ein Messer schärft.
Ein f-Loch wird ausgeschnitten
So ein Messer wird zum Beispiel dafür verwendet um die f- Löcher auszuschneiden.
Auf folgenden Bildern bekommst du...
Die Lackierung einer Geige
...das Lackieren der Geige gezeigt
Fingerspitzengefühl beim Einsetzen des Stimmstocks
...Einsetzen des Stimmstocks
Genauigkeit beim Anpassen des Halses
...und das Anpassen des Halses. Dieser muss ganz genau und fest eingepasst werden, da er dem starken Saitenzug widerstand halten. Die Geige besitzt insgesamt vier Saiten (g - d’ - a’ - e’’- Geh Du Alter Esel), die am unteren Ende des Korpus am Saitenhalter, und am oberen Ende des Halses auf Wirbeln im Wirbelkasten befestigt sind. In der Mitte des Korpus liegen die Saiten auf dem Steg auf, der als Brücke zwischen der schwingenden Saite und dem Resonanzkörper dient. Durch ihn werden die Schwingungen der Saiten auf den Korpus übertragen.
Eine Schablone für eine Schnecke/einen Hals
Auf dem Bild kannst du eine Schablone sehen für eine Schnecke/einen Hals
Sonstiges
Eine normal große Geige im Vergleich zu einer 1/32 Geige
Herr Ecseghy erklärt uns, dass es ganz besonders wichtig ist, gerade als Anfänger eine besonders gute Schülergeige zu haben. Hier auf dem Foto siehst du wie er eine Schülergeige hält. Dabei ist es besonders wichtig, dass die Armlänge der Kinder beachtet wird, so kommen die unterschiedlichen Größen zu stande. Auf diesem Foto siehst du eine Geige für 2-3 jährige. Man nennt diese auch eine 1/32 Geige. Die nächst kleinere Größe wäre dann die 1/64. Kaum zu glauben oder? Doch auf so einer kleinen Geige ist der Klang nicht mehr so schön wie auf einer größeren. Geht ihn doch auch mal besuchen! Er wird euch sicherlich auch noch ein paar spannende Geschichten erzählen können und auch sicherlich viele Fragen beantworten können.
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